Wie Elektronik Mensch und Umwelt schadet und wie es besser geht

1,9 Millionen Tonnen Elektroschrott jährlich

Im vergangenen Jahr wurden laut dem Global E-waste Monitor in Deutschland circa 1,9 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert, das sind 22,8 kg pro Einwohner. Ein Teil des Mülls wird recycelt, Rohstoffe wie Gold wiederverwertet. Die Verfahren zur Wiedergewinnung der Rohstoffe aus entsorgten Smartphones, Tablets oder Fernsehern sind jedoch aufwändig und mit hohen Kosten verbunden.

400.000 Tonnen Elektromüll werden jedes Jahr illegal exportiert

Viele Unternehmen exportieren den Elektromüll daher nach Asien oder Afrika. So landen jährlich 400.000 Tonnen Elektroschrott illegal in Entwicklungsländern. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen wird der Elektroschrott dann wiederaufbereitet. Der Kunsstoff wird verbrannt, um an die enthaltenen Edelmetalle zu gelangen. Dabei tragen die Arbeiter meist keinerlei Schutzkleidung und sind den giftigen Dämpfen schutzlos ausgeliefert. Die giftigen Stoffe gelangen zudem in die Luft und ins Grundwasser. Die Bevölkerung leidet zunehmend an Krankheiten, die durch den Elektroschrott verursacht werden.

Moderne Sklaverei bei der Herstellung von Smartphones

Auch die Herstellung von elektronischen Geräten bedenklich. Zunächst einmal wären hier die Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Hersteller zu nennen. Internationale Standards, wie die der Internationalen Arbeiterorganisation ILO werden nicht eingehalten. Ganz zu schweigen von Standards, die auch nur annähernd den Rechten von Arbeitern hierzulande entsprechen. Hungerlöhne, bis zu 78 Wochenstunden – kurz gesagt moderne Sklaverei – sind eher die Regel als die Ausnahme. Dazu werden Sicherheitsstandards oft nicht eingehalten, die Arbeiter tragen unzureichende Schutzkleidung und sind bei der Produktion anfallenden giftigen Stoffen schutzlos ausgesetzt.

Fragwürdige Gewinnung von Rohstoffen

Vor allem ist auch die Gewinnung der Rohstoffe, wie Gold, Seltene Erden und Kobalt äußerst fragwürdig. Die Rohstoffe stammen für gewöhnlich ebenso aus Ländern, in denen internationale Standards für den Schutz von Arbeitern nicht eingehalten werden. Oft werden die Edelmetalle in illegalen Minen gewonnen, wo die Arbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen, teilweise mit bloßen Händen tonnenweise Gestein fördern, in denen ein paar Gramm der begehrten Rohstoffe enthalten sind. Auch Kinderarbeit ist dabei an der Tagesordnung.

Rohstoffe finanzieren Krieg im Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo sind viele Minen unter der Kontrolle rivalisierender Rebellengruppen, die mit dem Abbau von Coltan ihren Kampf finanzieren. Coltan wird für die Herstellung von Lithium-Ionen Akkus verwendet, die mittlerweile in fast allen mobilen Geräten verwendet werden. Der Durst der westlichen Gesellschaften nach Unterhaltungselektronik und die Funktion des Smartphones als Statussymbol begünstigen also die instabilen Bedingungen in Konfliktregionen und den Machterhalt der Warlords. Laut GRID-Report waren im Jahr 2017 2,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor der Gewalt im Kongo, um Folter, Tod und Vergewaltigung zu entkommen. Man spricht deshalb sogar schon in Anlehnung an sogenannte „Blutdiamanten“ von „Blut-Smartphones“.

Das Fairphone – Eine Alternative?

Welche Alternative gibt es? Den Versuch einer Alternative startete 2013 die Firma Fairphone. Bei der Produktion des gleichnamigen Fairphones versucht der Hersteller weitestgehend auf sogenannte Konfliktrohstoffe zu verzichten. Nur „weitestgehend“ deshalb, weil – so wird es auch von Fairphone bestätigt – es schier unmöglich ist, Smartphones herzustellen, die komplett ohne den Einsatz von Rohstoffen aus zweifelhafter Herkunft auskommen.

Die einzige wirkliche Alternative

Die einzige wirkliche Alternative ist folgende: So lange wie möglich die elektronischen Geräte nutzen und möglichst gebraucht kaufen. Wenn wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Auswirkungen unser Konsumverhalten für Menschen in anderen Teilen der Erde hat, sind wir in der Lage Maß zu halten beim Kauf von Elektronik und damit Elend zu verringern und neben den Ressourcen des Planeten und der Umwelt, nebenbei auch den eigenen Geldbeutel zu schonen. Das gesparte Geld könnte man z. B. für faire Lebensmittel ausgeben 😉